So, jetzt geht das Jahr langsam zu Ende. Grund genug noch einmal alle Events und Kongresse an denen ich teilgenommen habe, Revue passieren zu lassen. Gleichzeitig stelle ich mir die Frage, welche Veranstaltungen ich im nächsten Jahr besuchen möchte.
Deshalb hier in aller Kürze meine Top-Five Veranstaltungen:
1. Conversion Conference (Hamburg)
2. LeWeb (Paris)
3. The World after Advertising (Düsseldorf)
4. Next (Berlin)
5. ICMA (Wien)
Folgende Veranstaltungen haben es nicht auf die Top Liste geschafft:
1. Zeitungskongress des BDZV (Essen)
2. Zeitung Online (Düsseldorf)
3. Medienforum NRW (Köln)
4. DMEXCO (Köln)
5. SMX (München)
Folgende Netzwerkveranstaltungen gehören auf meine Top-Liste:
1. Zukunft Mittelstand (Deutsche Medienakademie & Kalaydo)
2. Web de Cologne (WDR, RTL-interaktive, Pixelpark, denkwerk, ksta.de, MEMI-Institut u. kalaydo)
3. OSK (IC)
Folgende Speaker haben mich am meisten beeindruckt:
1. Bertrand Picard (LeWeb) über Pioniergeist
2. Tim Ash (Conversion Conference) über Conversion
3. Gert Leonhard (ICMA) über Media Future
Das hat bei der Teilnahme an Konferenzen am meisten genervt:
1. Lange Schlangen bei der Anmeldung (fast überall)
2. Lausige Verpflegung trotz immenser Eintrittspreise (auch fast überall)
3. Abendveranstaltungen/Parties die zu laut sind und keine Möglichkeit fürs networken bieten (auch fast überall)
Diese Liste ist eine rein subjektive Ansicht und ich bin gespannt, welche Kommentare und Ergänzungen es dazu gibt.
Mittlerweile gibt es eine ganze Reihe von Zeitungen die eine iPad App gelauncht haben. Es ist also Zeit für ein kleines Zwischenfazit. Bei den meisten Zeitungsapps wird versucht das Prinzip Zeitung auf das iPad zu übertragen. D.h. es werden in der Regel alle Ressorts (horizontale Bündelung) angeboten. Bei den meisten Apps werden multimediale Elemente (Audio, Video) integriert. In vielen Fällen sogar als embedded Video beim Download der App. Viele Apps werden aufwändig mit eigenen Redakteuren produziert und es ist erkennbar, dass die gestalterischen Möglichkeiten ausgenutzt werden sollen. Auch bei der Aktualität gibt es Parallelen zur gedruckten Zeitung. Die meisten Apps haben einen fixen Erscheinungstermin, ab dem es keine großen Aktualisierungen mehr gibt. Konzeptionell bleibt man also im Rahmen des von Print gewohnten.
Manche iPad Ausgaben von Zeitungen fühlen sich nicht nach einer Zeitung an, sondern sind sehr "magazinig" geraten (z.B. die App der Frankfurter Rundschau). Womit wir auch schon bei der Frage nach dem Erfolg wären. Bisher halten sich die Verlage mit öffentlichen Erfolgsmeldungen zurück und kommunizieren keine Zahlen zu downloads oder verkauften Einheiten. Es ist daher zu vermuten, dass sich der ganz große Erfolg noch nicht eingestellt hat. In den meisten Fällen dürften nach dem Launch-Peak die täglichen Downloads stark zurückgegangen sein und selten mehr als vierstellig sein. Woran kann das liegen? Aus meiner Sicht gibt es mehrere Ursachen dafür:
1. Die Apps sind zu "sperrig". Downloadvolumina von bis zu 100 MB pro Ausgabe sind eine Zumutung für die Nutzer.
2. Es fehlt die navigatorische Konsistenz. Die Nutzer verlieren sich im laufenden Wechsel unklarer Navigationskonzepte.
3. Es fehlt am inhaltlichen USP. Es scheint noch unklar welche Position zwischen Magazin, Aktualität und Regionalität eingenommen werden soll.
4. Eine Social-Media Integration fehlt in den meisten Fällen und es kann kein Dialog mit den Nutzern entstehen und auch die viralen Effekte von Social-Media können nicht entstehen.
Ich bin gespannt, wie sich die iPad Ausgaben der Zeitungen in Deutschland weiterentwickeln werden. Auch international rüsten die Verlage in Sachen iPad auf. An erster Stelle ist hier die News Corp. zu nennen, die "The daily" entwickeln will. Dazu gibt aber auch sehr skeptische Stimmen, die sich in unten stehendem Artikel wiederfinden. http://gawker.com/5697754/why-the-ipad-newspaper-is-doomed http://gawker.com/5697754/why-the-ipad-newspaper-is-doomed
Die Affäre um die Beiträge von Konstantin Neven DuMont im Blog von Stefan Niggemeier wirft die Frage auf, wie intensiv sich führende Medienmanager persönlich im Bereich von Social Media engagieren sollten.
In der Regel wirken die Vorstände und Geschäfstführer der deutschen Zeitungsindustrie eher im Hintergrund. Es stellt sich daher die Frage wie hoch der Aktivitätsgrad der wichtigsten Medienmanager bei Facebook und Twitter tatsächlich ist.
Es ist sicher unstrittig, dass gerade Facebook und Twitter in den nächsten Jahren einen wichtigen Einfluss auf die Entwicklung der Medienlandschaft haben werden. Deshalb habe ich einmal ausgewertet, wie aktiv die Vorstände/Geschäfstführer der 10 größten Zeitungsverlage in Deutschland dort sind. Die 10 größten Zeitungsverlage repräsentieren etwa 58% der deutschen Tageszeitungsauflage und sind daher sicher auch ein repräsentativer Querschnitt für die gesamte Branche.
Die zehn größten Zeitungsverlage haben insgesamt 28 Vorstände/Geschäftsführer. Davon haben unter ihrem realen Namen 6 Personen einen Facebook-Account. Dies entspricht einer Quote von 21,43%. Damit sind die Verlagsmanager im Vergleich zur Gesamtbevölkerung unterrepräsentiert. In Deutschland hat Facebook etwa 11,9 Millionen Nutzer bei einer Online-Bevölkerung von 50,4 Millionen (lt.AGOF). Dies entspricht einer Quote von 23,5%. Auch die Zahl der Freunde ist sehr gering. Nur drei Manager haben mehr als zehn "Freunde".
Auch bei Twitter ist das Bild nicht anders. Hier haben 7 Top-Manager einen Account unter ihrem echten Namen. Als Kanal für eine aktive Kommunikation wird dies aber offenbar nicht genutzt. Alle Vorstände/Geschäftsführer haben zusammen 911 Follower. Diese verteilen sich jedoch eigentlich nur auf zwei Personen. Konstantin Neven DuMont hat 644 Follower und der Verleger Dirk Ippen hat 254 Follower.
Dies sind natürlich nur Zahlen. Ich bin sicher, dass sich alle verantwortlichen Medienmanager schon in der ein oder anderen Form mit diesen Social-Media Kanälen auseinandergesetzt haben. Es scheint aber nicht so zu sein, dass dies ein alltägliches Instrument der Kommunikation in dieser Zielgruppe ist. Vielleicht erklärt dies auch warum es vielen Verlagen nach wie vor schwer fällt eine passende Social Media Strategie zu entwickeln.
PS: Da es nicht mein Ziel ist, hier einzelne Manager bloßzustellen, verzichte ich auf die Veröffentlichung der namentlichen Aufstellung. Aus dem gleichen Grund gibt es hier keinen Vergleich der einzelnen Verlage untereinander. Allerdings kann jeder mit überschaubarem Rechercheaufwand die hier genannten Zahlen überprüfen.
Ich habe heute am Memi-Institut der Hochschule Fresenius in Köln einen Vortrag zu den Herausforderungen für Zeitungsverlage angesichts der digitalen Revolution gehalten.
Neben einer kurzen Darstellung der Zeitungsgeschichte und des aktuellen Status Quo gibt es in der Präsentation auch einige Handlungsoptionen und die Darstellung einiger Erfolgsfaktoren am Beispiel kalaydo.de.
Wer sich für die Präsentation interessiert findet sie bei slideshare:
„Unternehmen wie Google leben davon, systematisch unsere Inhalte abzugreifen.“ Christian Nienhaus, Vorsitzender VZNRW beim Medienforum NRW
Nachdem nun einige Tage seit dem Medienforum NRW vergangen sind, habe ich noch einmal nachgelesen und festgestellt, dass der Vorsitzende des Zeitungsverlegerverbandes NRW einige bemerkenswerte und in dieser Kombination neue Forderungen gestellt hat.
Zunächst forderte Herr Nienhaus, Geschäftsführer der WAZ, ein Leistungsschutzrecht für Verleger, weil Google die Inhalte der Verlage abgreift. Gut, diese Forderungen ist nicht neu und entspricht auch der bekannten Position der Verlegerverbände.
Dann fordert Herr Nienhaus die Abschaffung der Mehrwertsteuer für Printprodukte und die Gleichstellung mit Postprodukten.
Zusätzlich zu diesen Forderungen, kann sich Herr Nienhaus auch eine Beteiligung der Verlage an der neuerdings „Haushaltsabgabe“ genannten GEZ-Gebühr vorstellen.
Fassen wir also noch einmal kurz zusammen. Die Verlage möchten Lizenzgebühren über das Leistungsschutzrecht, eine Mehrwertsteuer Befreiung und zusätzlich GEZ-Gebühren.
Ein derart massiver Ruf nach staatlicher Unterstützung für die privatwirtschaftlich organisierten Presseverlage ist neu. Ich bin gespannt, ob diese Forderungen in Zukunft auch die offizielle Linie der Verlegerverbände darstellen wird. Ob sich die Zeitungsverleger mit diesen Forderungen in der öffentlichen Debatte einen guten Dienst erweisen, sei dahin gestellt.
Hier ist der Link zu einem Artikel auf Der Westen in dem die Forderungen von Herrn Nienhaus nachzulesen sind:
http://www.derwesten.de/kultur/Nienhaus-Leistung-muss-geschuetzt-werden-id3173108.html
Nachdem ich eine große Resonanz auf mein Posting zum Thema "10 Gründe warum die meisten Zeitungsverlage im Internet kaum Erfolg haben" erhalten habe, möchte ich die Debatte hier gerne fortsetzen.
Um Missverständnisse von vornherein auszuschließen, möchte ich folgendes klarstellen:
1. Unsere Gesellschaft braucht auch in Zukunft Qualitätsjournalismus.
2. Zeitungen sind nach wie vor die wichtigste Plattform für Qualitätsjournalismus.
3. In vielen Zeitungsverlagen gibt es ein sehr ernsthaftes Bemühen sich den Herausforderungen der Digitalisierung zu stellen.
4. "Verlagsbashing" hilft nicht weiter und liegt nicht in meinem Interesse, auch wenn manches öffentliche Statement dazu einlädt.
Let's think positive! Was sind also die Erfolgsfaktoren? Welche Schlussfolgerungen lassen sich aus erfolgreich realisierten Online-Projekten von Verlagen ziehen? Ich verzichte hier auf Einzelbeispiele (auch wenn ich hier einige nennen könnte), und bitte um möglichst viele Kommentare und Ergänzungen.
Hier nun meine Einschätzung zu den Erfolgsfaktoren, damit Internetprojekte von Verlagen gelingen:
1. Unabhängige Projektteams
Es hat sich gezeigt, dass innovative Projekte in der Regel leichter realisiert werden können, wenn Projektteams unabhängig von Tagesinteressen einzelner Bereiche arbeiten können.
2. Unterstützung durch das Top-Management
Erfolgreiche Online-Projekte brauchen Aufmerksamkeit und Unterstützung durch das Top-Management, um auch in kritischen Situationen Widerstände zu überwinden und falsche Kompromisse zu vermeiden.
3. Fokussierung auf Nutzerbedürfnisse
Wenn Projekte die Befriedigung eines (oder mehrerer) Nutzerbedürfnisse zum Ziel haben, müssen diese ohne wenn und aber im Zentrum der Bemühungen stehen. Eine Aufweichung der Projektziele durch (primär kommerzielle) Abteilungsinteressen, führt häufig zu einem Produkt, dessen Nutzerakzeptanz fraglich ist.
4. Fehler sind wichtig
In vielen Verlagen gibt es eine ausgeprägte "Null-Fehler-Kultur", die für die laufende Printproduktion auch unerlässlich ist. Bei Internet-Projekten kommt es jedoch häufig auf Geschwindigkeit an und es ist notwendig nach dem Pareto-Prinzip zu arbeiten. Es ist besser mit einer Beta-Version zu starten, als auf das perfekte Produkt hinzuarbeiten und womöglich zu spät zu kommen.
5. Nutzer-Feedback
Für erfolgreiche Projekte gibt es kaum etwas wichtigeres als eine intensive Kommunikation mit den Nutzern. Fokus-Gruppen, Usability-Tests, Feedback Foren etc. gehören heute zum Standard. Es ist absolut unerlässlich das Nutzer-Feedback ernst zu nehmen und ihm im Zweifel auch Vorrang vor der Expertenmeinung von Chefredakteuren, Anzeigenleitern und Geschäftsführern einzuräumen.
Es gibt sicher noch weitere Erfolgsfaktoren und ich bin auf die Kommentare und Ergänzungen gespannt.

5 Gründe warum die meisten Zeitungsverlage mit dem ipad/wetab keinen Erfolg haben werden
"Die Verleger auf der ganzen Welt sollten sich einmal am Tag hinsetzen, beten und Steve Jobs danken." Dieses Zitat von Matthias Döpfner zeigt, wie hoch die Erwartungen vieler Zeitungsverlage an das ipad sind. In vielen Verlagen wird zur Zeit intensiv über die Einführung von ipad Apps nachgedacht. Erste Versionen von ipad Ausgaben deutscher Verlage sind schon im Markt. Außerdem gibt es eine intensive Debatte über den Umgang mit dieser neuen Geräteklasse. Deshalb möchte ich hier auf einige Probleme hinweisen, die aus meiner Sicht dem Erfolg im Wege stehen.
Paid Content Focussierung
Keine ausreichende Analyse der Nutzererwartungen
Ipad ist Unterhaltung – Zeitung ist Information
Mangelnde Kompetenz in der Schaffung von positiver User-Experience
Fehlendes Vermarktungs Know-How auf digitalen (mobilen) Plattformen